A
m nächsten Morgen standen verschieden Dinge an. Mein Mann hatte gefragt, ob ich ihm sein Handy aus dem Auto holen könnte. Klar, aber wo war sein Auto?
Ok, also erst die Polizei anrufen. Der Polizist wusste Bescheid! Das war sehr gut! Ich bekam den Namen des Abschleppdienstes und suchte die Telefonnummer raus.
Bei dem Anruf stellte sich heraus dass, ich Geld mitnehmen müsse. Sonst dürfe ich nicht ans Auto, wurde mir erklärt. Nein, auch nicht um die persönlichen Gegenstände raus zu holen.
Der Herr am Telefon meinte, dass der Schaden evtl. von unserer Kfz-Versicherung getragen werden würde. Ich wählte im Anschluss die Nummer unseres Freundes, bei dem wir unsere Versicherungen abgeschlossen haben. Mit so einem Gespräch hatte ich nicht gerechnet. Er empfiehl mir sofort einen Anwalt einzuschalten. „Wegen den Kosten und Schmerzensgeld, außerdem weißt du nicht wie es mit seinem Beruf weiter geht…. Weißt du, da gibt es so viel zu beachten! Die Versicherung hat tagtäglich damit zu tun, du nicht! Geht auf Nummer sicher!“
Bähm! Das saß! Ich war schlagartig noch überforderter!
Nach dem ich alle Anrufe getätigt und einen Anwalt gefunden hatte, atmete ich tief durch. Der Polizeibeamte hatte mich hinsichtlich der Schuldfrage aufgeklärt, „Schuldfrage“ so ein Wort, das ich bis dahin nicht kannte. Mein Mann war ordnungsgemäß gefahren, er war angeschnallt und hat sich an das Tempolimit gehalten. Er hatte quasi alles richtig gemacht.
Ein LKW-Fahrer hatte meinem Mann übersehen, ihm die Vorfahrt genommen und war abgebogen. Mein Mann, der geradeaus fuhr, konnte nicht mehr reagieren. Von links kam der LKW, rechts standen Autos. Seine einzige Möglichkeit war zu bremsen, und das tat er auch. In den Tagen nach dem Unfall, bin ich immer wieder an der Stelle vorbei gefahren. Die Bremsspuren waren noch ewig zu sehen, dunkel und kurz. Heute noch fühlt es sich seltsam an diese Strecke zu fahren. Das kommt noch verhältnismäßig oft vor, da wir so zu meinen Schwiegereltern fahren. Der LKW-Fahrer hatte ihn schlichtweg übersehen und war abgebogen! Es blieb einfach keine Zeit zu reagieren. Für keinen von beiden.
Ich lehnte mich zurück und überlegte was ich noch tun wollte. In Gedanken ging ich alles durch… Ach du Schreck! Ich musste ja noch meine Schwiegereltern anrufen! Und meine Schwägerin!
Ich versuchte eine möglichst positive Grundhaltung einzunehmen und wählte die Nummer meiner Schwiegereltern. Beide Telefonate verliefen sehr nüchtern. Meine Frage ob die Kinder und ich für einige Zeit bei ihnen bleiben dürften, bejahte meine Schwiegermama. So wollte ich die tägliche Fahrerei vermeiden, immerhin war es eine halbstündige Autofahrt.
Ich packte unsere Sachen zusammen und fuhr unsere Kinder bei meinen Eltern abholen. Nachdem ich meine Eltern auf den neusten Stand gebracht hatte, fuhr ich mit beiden Kindern zum Abschleppdienst.
Als ich endlich dort ankam, schlief unsere Tochter tief und fest. Ich ging ins Büro und bezahlte die Abschleppkosten, dann durfte ich ans Auto. Ich fuhr ums Gebäude um alles Persönliche in mein Auto packen zu können. Da Töchterchen noch immer schlief, stelle ich das Auto in Hörweite unter einen Baum und öffnete alle Fenster. Unseren Sohn nahm ich mit auf den Hof.
Ich habe das Auto meines Mannes nicht wieder erkannt! Der Motorblog war in den Fahrerraum gedrückt, die Vorderachse verzogen, die Reifen standen ab. Die Schweißnähte klafften auseinander. Der Lack auf dem Dach war ab und es waren tiefe Dellen darin.
„Wenn ich nicht wüsste das mein Mann lebt, würde ich denken, dass ich Witwe bin… und meine Kinder Halbwaisen!“ rutschte es mir raus! Der Mitarbeiter des Unternehmens schaute mich betroffen an. Es folgte Smalltalk.
Beide Airbags waren aufgegangen, auf dem auf der Fahrerseite waren Bluttropfen. Im Fußraum lag ein Schuh, überall lagen Dinge rum. Kaugummis, Traubenzucker, mehrere Brillen, der Kindersitz unserer Tochter und so weiter… Nur sein Handy konnte ich erst nicht finden. Ich öffnete den Kofferraum, es lagen so viele Gegenstände darin. Ich begann langsam alles auszuräumen und in mein Auto zu packen. Dann musste ich nach dem Handy suchen… irgendwo unter einem der Sitze fand ich es dann. Das Display war komplett zersplitter.

