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achdem der Traum vom Eigenheim geplatzt ist, suchen wir nach einer größeren Wohnung.

der hier weiter geht

Unsere Aktuelle ist winzig und in einem hellhörigen 6-Familien-Haus. Nur sind wir die einzige Familie. Unser Rhythmus ist entgegen dem, der restlichen Bewohner. Während wir den ganzen Tag in Action sind und ich gegen Abend alles ruhiger gestalte, sind unsere Nachbarn den ganzen Tag arbeiten und erledigen das Staubsaugen und Spülmaschine ausräumen abends. Verständlich, wann sonst sollen sie es auch sonst tun. Aber für uns wird es zunehmend schwieriger. Es ist Zeit für was neues!

Wir möchten unbedingt im Ort bleiben und starten bereits in der ersten Woche mit Wohnungsbesichtigungen. Da wir wissen, dass es kaum Wohnungen gibt, die über den freien Markt vermietet werden, stellen wir uns auf längeres Suchen ein.

Parallel baue ich meine Selbstständigkeit auf. Bereits vor dem Unfall habe ich angefangen Gewürze herzustellen und zu vertreiben. Ich versuche die Produktion vormittags zu erledigen, aber immer wieder sind unsere Kinder krank. Immer öfter Produziere ich am späten Abend und in die Nacht hinein. Ich kann nicht behaupten das große Geld gescheffelt zu haben, aber es tat sich was und das wiederum tat mir gut.

Mein Mann ist weiterhin in Behandlung mehrmals die Woche Physiotherapie und andere diverse Therapien. Die Ärzte versuchen ihn schnell fit zu bekommen. Aber nichts funktioniert dauerhaft. Er nimmt Schmerzmittel. Immer häufiger und immer stärkere. Natürlich in Absprache mit den Ärzten, aber mir gefällt die Entwicklung überhaupt nicht.

Da bereits sehr schnell nach dem Unfall klar war, dass er nicht mehr zurück in den Beruf, als Industriemechaniker kann, vereinbaren mein Mann und sein BG-Berater einen Termin in dem Unternehmen, in dem mein Mann bereits 25 Jahre arbeitet! Die Personalleiterin möchte nicht, dass mein Mann an anderer Stelle eingesetzt wird. Sie schlägt vor, dass mein Mann für den allgemeinen Arbeitsmarkt fit gemacht werden soll. Eine Ohrfeige! Die Kosten der Umschulung trägt die BG und in Hinblick auf die Wiedereingliederung würde man dem Unternehmen entgegen kommen. Die gute Frau lehnt ab. Der BG-Berater ist ratlos – so etwas hat er noch nicht erlebt. Mein Mann ist ebenfalls vor den Kopf gestoßen!

Aber wie das im Leben so spielt, haben wir den für uns perfekten Menschen an die Seite bekommen! Unser BG-Berater krempelt die Ärmel hoch und sorgt für alles Notwendige um meinem Mann einen guten Start in die Umschulung zu ermöglichen. Er organisiert einen Kurs um ihn auf die 2-jährige Ausbildung zum Techniker vorzubereiten. Mitte Mai soll er zu einem Vorbereitungskurs in Regenstauf. Diese Schule ist speziell auf Menschen wie meinen Mann vorbereitet. Solche die nach einem Unfall wieder die Schulbank drücken, solche mit Behinderungen. Obgleich auch „normale Schüler“ in diese Schule gehen.

Fortschritte macht mein Mann schon eine Weile keine mehr. Einige Menschen in unserem Umfeld, fragen ob es ihm wirklich so schlecht geht. Sie verstehen nicht wie eine Knieverletzung zu einer Umschulung führen kann. Dass seine Kniescheibe komplett zertrümmert war und sein Knie jetzt eine 20 cm lange Narbe ziert, habe ich in den letzten Jahren gefühlte 10.000-mal erzählt. Es mussten während der OP Gräser und Knochensplitter, mit zig Liter Kochsalzlösung ausgespült und Gewebe das in Mitleidenschaft gezogen wurde entfernt werden! Ich habe den OP-Bericht gelesen und mir ist schlecht geworden. Seine Kniescheibe wurde mit Drähten, Nägel und (ich glaube 1) einer Schraube fixiert. Knorpelgewebe war kaum bis nicht vorhanden. Ein Umstand der uns das Leben in den kommenden Jahren noch oft erschweren sollte.

In der Zwischenzeit hatte auch ich gesundheitliche Probleme. Die vergangenen Monate forderten ihren Tribut. Deshalb nutze ich die letzten Monate vor der Einschulung unseres Sohnes und fuhr mit beiden Kindern in eine Mutter-Kind-Kur.

Im Mai 2013 fuhren wir an die Nordsee und mein Mann nach Regenstauf. Er besucht uns an einem Wochenende in der Kur. Es ging ihm furchtbar schlecht. Ich verstand es nicht, und schob es auf den Stress und die lange Zugfahrt. Da er nur für ein Wochenende da war, kamen wir kaum zum Reden.

Nach seiner Abfahrt waren die Kinder unglaublich traurig! Unsere Tochter leidete wahnsinnig darunter, ihren Papa nicht um sich zu haben. Kurz vor Ende der 3-wöchigen-Kur vermissen wir unser Zuhause, die Kinder ihren Papa und ich meinen Herzensmenschen so sehr!

Aber nach unserer Rückkehr wird es auch nicht besser. Mein Mann fährt monatelang sonntags zur Schule und kommt erst freitags zurück. Ich entwickle in dieser Zeit eine Stärke die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich bringe den Haushalt auf die Reihe, wasche und bügle, während die Kinder im Kindergarten sind und bin nachmittags mit den Kindern auf dem Spielplatz. Von außen betrachten sieht alles super aus. Es scheint als würden wir unser Leben auf die Reihe bekommen. Und irgendwie fühlt es sich für uns auch so an… zumindest reden wir uns das ein.

Ende Juli 2013 bekommen wir die Chance uns eine Wohnung anzuschauen. Sie ist lichtdurchflutet und geräumig. Die Kinderzimmer sind zwar winzig, aber dafür wohnen wir über einem Schuhgeschäft mit Schusterei. Außer uns wohnt dort noch ein junger Mann, der aber meistens unterwegs ist. Sie ist verwinkelt und hat viele Besonderheiten die uns sehr gefallen! Wir sind so glücklich als wir die Zusage bekommen! Augenblicklich fange ich an, alles was wir nicht mehr benötigen zu verkaufen oder entsorgen. Bei jedem Einkauf nehme ich leere Bananenkartons mit und packe was das Zeug hält. Aber wir müssen noch bis Ende Oktober warten bevor wir tatsächlich umziehen können.

Vorher, im September, steht noch die Einschulung der beiden Männer an. Mein Mann und mein Sohn, werden in derselben Woche eingeschult. Wir feiern in kleinem Kreis, starten in eine neue Ära! Wir sollten noch so sehr an unseren Aufgaben wachsen…

Jede Woche packe ich Kartons, bis sie sich an die Decke stapeln. Lerne mit unserem Sohn und bin mit beiden Kindern auf dem Spielplatz.

Ich setze alles daran, dass wir noch vor den Herbstferien umziehen. Meine Familie, unsere Freunde – alle helfen uns. Streichen, putzen, tragen – wann immer unsere Freunde Zeit haben, stehen sie bereit und fragen wie sie helfen können. Der Umzug ist binnen kürzester Zeit geschafft! Nur mein Mann, kann nicht helfen. An dem Tag an dem wir alle großen Möbel umziehen hat er noch eine wichtige Klassenarbeit. Danach sind Ferien. Der erste Morgen in der neuen Wohnung fühlte sich an, wie Urlaub! Ich bin zuerst wach. Die ersten Schritte ins Wohnzimmer sind surreal. Die Sonne strahlt herein und taucht alles in ein warmes Licht. Den ganzen Tag schweben wir durch die Wohnung. Wir hören zwar irgendwann unseren Vermieter aus der Schusterei, aber am Abend legt sich eine unbekannte, wohltuende Stille über unser neues Zuhause! Das einzige Geräusch das wir abends noch häufiger hören sollten, sollte das Knistern unseres Kaminofens sein. Heute sind wir hier noch immer so glücklich. Wir sind froh das Haus damals nicht gekauft zu haben. Auch in Hinblick auf die Entwicklung meines Mannes, aber eben auch weil wir uns hier wohl fühlen.

Bereits in den ersten Schulmonaten macht sich bei unserem Sohn Unzufriedenheit und bei meinem Mann Überforderung bemerkbar. Ich lerne mittags mit unserem Kind, bin nachmittags mit beiden Kindern unterwegs damit mein Mann sich ausruhen und lernen kann, und abends gehe ich mit ihm den Stoff durch. Von Tag zu Tag wird er gereizter. Er kommt nicht wirklich mit, aber er kämpf! Aber die Schmerzmittel helfen nicht mehr, er bekommt stärkere und darf die Dosis erhöhen. Seine gereizte Stimmung macht auch vor den Kindern nicht halt. Immer öfter fährt er die Kinder an. Unser Sohn, der seinen Papa noch vor dem Unfall erlebt hat, verzeiht ihm. Unsere Tochter beginnt sich zurück zu ziehen.

Trotztdem sind wir noch immer voller Hoffnung, dass alles gut wird. Und mit genau diesem Gefühl gehen wir in die Weihnachtsferien und ins neue Jahr 2014!

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