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or einigen Tagen hat eine ganz liebe Insta-Freundin dazu aufgerufen, seine Stimme gegen Hass und gegen Mobbing zu erheben.

Ich erzähle euch heute von den Erfahrungen die wir als Familie mit diesem Thema gemacht haben. Unser Sohn hat nach der Grundschule auf eine Realschule gewechselt und wurde dort massiv gemobbt! Was alles passiert ist, ist eigentlich undenkbar!

Ich hatte von Anfang an Bedenken hinsichtlich genau dieser Schule. Vielleicht sind bei mir zu viele Schubladen auf- und zu gegangen, als wir sie uns angeschaut haben. Aber die Nähe zu unserem Zuhause und die Hoffnung, dass einige Freunde mit ihm wechseln, haben meine innere Stimme verstummen lassen. Ein Stück weit auch weil ich Angst hatte ihn zu überfordern.

Der erste Schultag kam und unser Sohn wurde „eingeschult“. Wieder Zuhause, erzählte er die Schule sei ganz gut und klang fast begeistert. In den nächsten Tagen, nahm sein Euphorie ab und hin und wieder kamen seltsame Kommentare. Er erzählte uns schockiert, dass er gesehen habe wie ältere Schüler rumgeknutscht hätten! Wir mussten lachen! Solange das alles ist, dachten wir. Dann erzählte er uns von den vielen Handys, jeder Schüler habe eins und es auch immer in der Schule dabei. Ich erklärte ihm, dass seins Zuhause bleiben würde, solange einer von uns zum Schulschluss zuhause sei.

Ständig kam etwas Neues. Innerhalb weniger Wochen war die Stimmung gekippt, auf unsere Fragen wurde er immer wortkarger. Mal hieß es, er würde geärgert werden, dann wieder war es ihm langweilig. Er wolle die Schule wechseln, es sei die falsche Entscheidung gewesen und er wolle lieber doch aufs Gymnasium. Aber so richtig kamen wir nicht an ihn ran. Er wolle einfach aufs Gymnasium! Ok, dachten wir, dann also Gymnasium. Da wir keine Ahnung hatten was man alles tun muss um zu wechseln, suchte ich nach einem Schulausflug das Gespräch mit seiner Klassenlehrerin. Ich bat sie um ein Gesprächstermin, wegen eines Schulwechsels. Ihre Antwort war: „Ach, so weit ist es schon!? Ich dachte es ginge noch…“ Als sie meinen fragenden Gesichtsausdruck sah, biss sie sich auf die Lippen. Auf meine Frage meinte sie, sie habe schon länger beobachtet, dass sich unser Kind nicht so richtig einfügen könne, in die Klasse. Außerdem gäbe es kleinere Keilereien zwischen ihm und einem anderen Jungen. Ich war wie vom Donner gerührt! Ich war so verärgert über ihre Art! Ihre Aussage! Die Tatsache, dass ich von all dem nichts wusste! Sie meinte nur: „Ach… ich dachte sie wissen Bescheid und wollen deshalb dass er die Schule wechselt! Also ich kann ihnen die Realschule XY empfehlen!“ Ich haben meinen Ärger runtergeschluckt und ihr in ganz ruhigem Ton gesagt, dass unser Kind aufs Gymnasium gehen will und wir ihm die Möglichkeit geben wollen. Ich aber nicht wisse, wie das alles von statten gehen würde. Wir besprachen, dass wir per E-Mail einen Termin ausmachen würden.

Auf dem Weg nach Hause frage ich mein Kind was los war in der Schule. Ich bat ihn darum ALLES zu erzählen! Er erzählte, dass ihm seit Wochen! die Schuhe in der Pause ausgezogen und im Schulhaus rumgeschmissen wurden. Mehrere Kinder hielten ihn fest, zwei zogen ihm die Schuhe aus und warfen sie rum. Auf meine Frage, ob seine Lehrerinnen davon wüssten nickte er. „Ja. Sie sagen dann, ‚XY und YX das macht man nicht‘ und dann machen sie ihren Unterricht weiter.“ kam es tonlos.

„Außerdem werde ich ihn den Pausen geärgert, YX sagt immer ich hätte keine Freunde! Weißte du Mom, klar habe ich Freunde! Aber in dem Moment stehe ich ganz alleine da. Meine Freunde sind in dem Moment nicht bei mir! Ich bin Allein! Und genauso fühle ich auch!“

Ja, seine Freunde hatten sich für andere Schulen entschieden. Jeder seiner Freunde ist auf ein anderes Gymnasium gegangen. Sie sahen sich nicht mehr, hatten zu dem Zeitpunkt kaum noch Kontakt…

Es schmerzt mich davon zu erfahren! Ich fragte ihn ob er sich ganz sicher sei, dass er auf ein Gymnasium wolle! JA!

Nachdem ersten Smalltalk mit seiner Klassenlehrerin, hatte ich stundenlang recherchiert und wusste, dass ein Wechsel von einer Schulart zur nächsten an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Auf eine andere Realschule konnte ich ihn innerhalb kürzester Zeit bringen. Aber er bestand darauf aufs Gymnasium zu gehen. Ok, dachte ich! Dann wollen wir mal.

Eigentlich war ich an meinen Grenzen! Von meinem Mann habe ich euch ja schon ein Wenig erzählt. In den Sommerferien, wenige Wochen zuvor, hatte mein Papa eine schwerwiegende Diagnose bekommen. Ich selbst war im Frühjahr von einem Virus wochenlang flachgelegt worden und hatte mich nur sehr langsam erholt. UND Töchterchen war ebenfalls eingeschult worden und brauchte mich eigentlich selbst!

Trotzdem wollte ich alles tun, um ihm zu helfen. Möglichst schnell!!

Von Zeit zu Zeit kam er mit Kopfschmerzen heim. Er erzählte uns das in der Schule sogenannte „Nackenfische“ verteilt werden würden und das man „gepimmelt“ bzw. „gemützelt“ werden würde. Bei den Nackenfischen, schlägt ein Mitschüler dem anderen mit der flachen Hand auf den Nacken. Natürlich mit der ganzen Kraft die man aufbringen kann! Schließlich soll es ja wehtun! Sollte jemand ein Hoodie tragen, würde er gepimmelt werden. Mit der Hand die Kapuze auf links drehen.

Von Tag zu Tag wurde er ruhiger, er lachte nicht mehr, zog sich zurück und erzählte kaum noch etwas. Mit seinen Freunden traf er sich kaum. Eines Abend nachdem wir die Kinder ins Bett gebracht hatten, seine Schwester schlief schon, kam er wieder raus. Sein Gesicht war tränenüberströmt!!! Ich nahm ihn in den Arm, er drückte sich an mich! Alsich ihn fest an mich drückte, bat er mich das zu lassen. „Mir tun meine Gelenke weh.“, sagte er. Er lag bei mir auf der Couch, mein Mann und ich tauschten Blicke aus. So blieben wir einige Zeit, bis er sich wieder beruhigt hatte und gleichmäßig atmete. Als ich ihn wieder ins Bett brachte und zudeckte, weinte er wieder! Es war inzwischen sehr spät geworden, ich nahm ihn mit in unser Bett. Er lag auf meinem Arm, aber ich durfte ihn nicht in den Arm nehmen oder kuscheln. Ich überlegte, ob es wirklich Wachstumsschmerzen waren. Denn das hatte er zuvor gesagt…

Am nächsten Morgen ließ ich ihn schlafen. Als er wach wurde, war seine Schwester bereits in der Schule. Wir frühstückten gemeinsam, es schien ihm besser zu gehen. Mein Versuch etwas rauszufinden blieb erfolglos. Am Nachmittag fuhr ich Töchterchen zum Schwimmkurs. Meine Schwester und mein Sohn fuhren mit. Im Auto erzähle ich meiner Schwester, dass er am Morgen nicht in der Schule gewesen war, weil er Gelenkschmerzen gehabt hatte. Sie fragt verwundert, warum er das hätte. Da die Frage an ihn ging und ich wirklich müde war, ließ ich ihn selbst antworten. „Ich wurde in der Schule geschlagen“ erwiderte er. Ich war in dem Moment so schockiert! Im Schwimmbad sah ich, dass überall am Körper blaue Flecken verteilt waren.

Spätestens da war klar, dass wir ganz schnell etwas tun müssen! Das war im Dezember. Leider verliefen die vielen Gespräche mit dem Schulamt, den Lehrerin usw. wenig gewinnbringend. Von der Lehrerin und der Direktorin wurden wir, wie überfürsorgliche Helikoptereltern behandelt! Nach dem Gespräch war klar, dass wir die Dinge selbst in die Hand nehmen müssen! Es folgten Gespräche mit der schulpschologischen Beratungsstelle, Ärzten und diversen Schulleitern einiger Gymnasien.

Unser Glück war, dass wir einen ganz herzlichen Schulleiter gefunden hatten, der sich bereit erklärt hatte unser Kind in seiner Schule aufzunehmen. Aber auch er wusste keine legale Lücke unser Kind während der 5. Klasse, schulart-übergreifend wechseln zu lassen. Vor allem wenn es um einen Wechsel von einer Realschule auf ein Gymnasium geht. Aber er hat uns zugesagt, dass es kein Problem sei ihn definitiv in der 5 Klasse aufzunehmen oder wenn er die entsprechenden Noten bringt, gerne auch in der 6. Klasse starten zu lassen.

Während ich an allen Fronten (für meinen Mann, meinen Sohn, meine Tochter, meinen Papa und um einen Job) kämpfte wurde unser Sohn immer stiller! Immer mehr zog er sich zurück. Wir reden sehr offen mit unseren Kindern… trotzdem konnten wir vieles einfach nicht auffangen! Ich habe meinen Sohn ein Jahr lang fast nicht lachen sehen, geschweige denn laut lachen gehört!!! (Stell dir das mal vor!!!!)

Mal erzählte er von Schlägereien, mal von Stühlen die nach ihm geworfen wurden, dann wurde ihm seine Brille aus dem Gesicht und mit der Faust ins Gesicht geschlagen! Ob diejenigen die das getan haben Konsequenzen zu spüren bekamen weiß ich nicht. Im Prinzip spielt es keine Rolle, denn jeder findet irgendwann seinen Meister. Im Guten und im Schlechten! Schlimm waren die Tage an denen er nichts mehr erzählte… an denen ich ihn nicht in den Arm nehmen durfte, nicht trösten! Die Tage an denen er ohne zu essen in sein Zimmer ging und nicht mehr raus wollte. Im Bett lag und sich in seine Bücher verkrochen hat.

Und was soll ich sagen, mit „nur“ den Mitschülern war die Sache nicht gegessen! Eine Lehrerin hat nach einer Klassenarbeit alle Kinder mit den Noten, die besser als 2 waren aufgezählt. Nur unseren Sohn nicht! Er hatte eine 1,6 in genau dieser Arbeit! Einzelfall? Nein leider nicht! Seine Klassenlehrerin, wie auch die Schulpsychologin waren der Meinung, dass unser Sohn eigentlich nichts falsch mache, aber er solle sich ändern. Nach jedem Gespräch wurde uns klarer, dass wir die Dinge selbst auf die Reihe bekommen müssen!

Wir haben die Möglichkeit einer Hospitation bekommen und unser Kind durfte für 3 Schultage in das Wunschgymnasium! Danach bekam er neuen Auftrieb! Wir engagierten einen Nachhilfelehrer der sich um die Lücken zwischen den beiden Schularten kümmern sollte. Im Februar 2018 war mein Papa seiner Erkrankung erlegen. Bei unserem letzten Gespräch in der Schule, im März hat seine Klassenlehrerin ganz klar gesagt, dass sie sich gegen einen Wechsel aussprechen würde. Und ich habe ihr ganz klar gesagt, dass unser Sohn wechseln wird. Egal ob sie uns unterstützt oder nicht!!!

Sie hatte das wohl als Kampfansage empfunden, denn in der Klassenkonferenz wurde beschlossen sich gegen einen Wechsel auszusprechen! Uns wurde SCHRIFTLICH davon abgeraten unser Kind wechseln zu lassen! Wir haben gewechselt! Er hat im vergangen September in der 5. Klasse unseres Wunschgymnasium gestartet!

Ich höre mein Kind inzwischen wieder ganz oft lachen! Er erzählt von den Kindern, Lehrer und dem Unterrichtsstoff seiner jetzigen Schule! Er trifft sich mit seinen Grundschulfreunden und neuen Freunden! Aus seiner Realschulzeit ist genau ein Freund da und der hat ähnliches erlebt! Das schweißt zusammen! Die zwei haben sich immer was zu erzählen!

Für uns ist das der richtige Weg gewesen! Und ich, mit meiner Erfahrung, kann jedem Papa und jeder Mama empfehlen: Kämpfe für dein Kind! Lass dir niemals einreden, dass dein Kind dumm oder es nicht wert ist!

Ich habe nicht jedes Detail aufgeschrieben, denn sonst hätte ich ein wenig 😉 den Rahmen gesprengt! Wenn du Fragen hast, freue ich mich über eine Nachricht!  

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